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Kinderecke ~ Philothek
Gedichte, Geschichten, Sprüche, Lieder - zum Selberlesen oder Vorlesen
Die Tulpe
Dunkel war alles
und Nacht.
In der Erde tief
die Zwiebel schlief,
die braune.
Was ist das für ein Gemunkel,
was ist das für ein Geraune?,
dachte die Zwiebel,
plötzlich erwacht.
Was singen die Vögel da droben
und jauchzen und toben?
Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
und um sich geblickt
mit einem hübschen Tulpengesicht.
Da hat ihr der Frühling entgegengelacht.
Josef Guggenmoos

Frühlinter
im April aufzusagen
Wer im April
spazieren will,
was tut er? Was beginnt er?
Er jubelt: Frühl...Dann schweigt er still
und murmelt matt:
Frühlinter!
Sein Schuh im Matsch
macht quitsch und quatsch,
halb Frühling ist's, halb Winter.
Ein bisschen plitsch,
ein bisschen platsch,
von jedem was:
Frühlinter.
James Krüss

In einem Baum
In einem Baum,
ihr glaubt es kaum,
da wohnen viele Tiere.
Kleine Schnecken, große Schnecken,
Vögel, die uns morgens wecken.
Schau es dir doch an,
freue dich daran.
In einem Baum,
ihr glaubt es kaum,
da wohnen viele Tiere.
Kleine Spinnen, große Spinnen,
Käfer in der Rinde drinnen.
Schau es dir doch an,
freue dich daran.
In einem Baum,
ihr glaubt es kaum,
da wohnen viele Tiere.
Eichhörnchen und kleine Maus
haben hier ihr großes Haus.
Schau es dir doch an,
freue dich daran.
unbekannt

Oktober
Oktober kommt mit blauem Rauch,
der Wind will Äpfel pflücken,
und gelbe Birnen gibt es auch
und Süßes reift im Brombeerstrauch,
du brauchst dich nur zu bücken.
So rot und gold wie Feuerschein
steht nun der Wald am Hügel.
Das Eichhorn sammelt Nüsse ein,
der Falter sitzt am warmen Stein
und breitet weit die Flügel.
Ein Spinnwebfaden fliegt im Wald,
es raschelt auf den Wegen.
Der Häher schreit, die Nacht wird kalt
und auf die Wiesen wird sich bald
der erste Raureif legen.
Ursula Wölfel

Nur Mut
Wenn einer ganz alleine steht,
weil keiner mit ihm sprechen will,
und du gehst einfach hin und fragst:
"Warum bist du so still?
Erzähle mir, wer du bist,
was du spielst, was du gern isst."
Dann hast du Mut und das tut gut.
Wenn einer von der Mauer springt
und sagt: Mach das nach, zeig Mumm,
du siehst, die Mauer ist zu hoch,
dann weißt du, das ist dumm.
Sag einfach nein, denk an dein Bein,
du möchtest nicht verletzt sein.
Dann hast du Mut und das tut gut.
Wenn einer sagt:"Komm, führe mich
durch diesen fremden Ort."
Geh niemals mit, nicht einen Schritt,
glaube ihm kein Wort.
Zeigt er dir auch ein lächelndes Gesicht,
vielleicht bringt er dir Leid, du kennst ihn nicht.
Renn weg, dann hast du Mut, das tut dir gut.
Wenn einer dir was schenken will,
und meint: "Verrate das mit keinem Wort",
dann stimmt hier irgendetwas nicht,
nimm das nicht an, lauf lieber fort.
Hol bei deinen Eltern Rat,
sprich mit deinem Kamerad.
Dann hast du Mut, das tut dir gut.
Monika Rieger, gefunden in der Kiga-Zeitschrift Mobile 

Glaubst du das?
Ich bin auf dem Regenbogen gesessen.
Ich kann einen Korb voll Zitronen essen.
Ich hab einen Walfisch durchs Meer gezogen.
Ich bin wie ein Vogel zum Kirchturm geflogen.
Ich bin in der Wüste Rollschuh gelaufen.
Ich werde mir eine Sternschnuppe kaufen.
Ich hebe mit einer Hand ein Klavier.
Der wildeste Tiger hat Angst vor mir.
Und zu Hause hab ich ein Känguru,
das boxt besser als du!
Vera Ferra-Mikura

Das verhexte Telefon
neulich waren bei Pauline
Sieben Kinder beim Kaffee.
Und der Mutter taten schließlich
Von dem Krach die Ohren weh.
Deshalb sagte sie: ,,Ich gehe.
Aber treibt es nicht zu toll.
Denn der Doktor hat verordnet,
Dass ich mich nicht ärgern soll."
Doch kaum war sie aus dem Hause,
Schrie die rote Grete schon:
"Kennt ihr meine neuste Mode?
Kommt mal mit ans Telefon."
Und sie rannten wie die Wilden
An den Schreibtisch des Papas.
Grete nahm das Telefonbuch,
Blätterte darin und las.
Dann hob sie den Hörer runter,
Gab die Nummer an und sprach:
"Ist dort der Herr Bürgermeister?
Ja? Das freut mich. Guten Tag!
Hier ist Störungsstelle Westen.
Ihre Leitung scheint gestört.
Und da wäre es am besten,
Wenn man Sie mal sprechen hört.
Klingt ganz gut ...Vor allen Dingen
Bittet unsere Stelle Sie,
Prüfungshalber was zu singen.
Irgendeine Melodie."
Und die Grete hielt den Hörer
Allen sieben an das Ohr.
Denn der brave Bürgermeister
Sang: "Am Brunnen vor dem Tor."
Weil sie schrecklich lachen mussten,
Hängten sie den Hörer ein.
Dann trat Grete in Verbindung
Mit Finanzminister Stein.
"Exzellenz, hier Störungsstelle.
Sagen Sie doch dreimal "Schrank".
Etwas lauter, Herr Minister!
Tschuldigung und besten Dank."
Wieder mussten alle lachen.
Hertha schrie: ,,Hurra!", und dann
Riefen sie von neuem lauter
Sehr berühmte Männer an.
Von der Stadtbank der Direktor
Sang zwei Strophen "Hänschen klein<",
Und der Intendant der Oper
Knödelte die "Wacht am Rhein".
Ach, sogar den Klassenlehrer
Rief man an. Doch sagte der:
"Was für Unsinn? Störungsstelle -
Grete, Grete! Morgen mehr."
Das fuhr allen in die Glieder
Was geschah am Tage drauf?
Grete rief: "Wir tun's nicht wieder."
Doch er sagte: ,,Setzt euch nieder.
Was habt ihr im Rechnen auf?"
Erich Kästner

Tigerjagd
Wer Lust hat, kann an Regentagen
auch hierzulande Tiger jagen.
Es lohnt zum Beispiel der Versuch
der Tigerjagd im Wörterbuch.
Dort spielt der Tiger mit den Jungen
im Quellgebiet der Steigerungen:
Ein Lus-Tiger, ein Präch-Tiger,
ein Läs-Tiger, ein Mäch-Tiger,
Ein Hef-Tiger, ein Gran-Tiger,
ein Bors-Tiger, Ein Kan-Tiger,
Ein Kräf-Tiger, ein Saf-Tiger,
ein ganz und Wahrhaf-Tiger,
ein Ar-Tiger, ein Bär-Tiger,
und manchmal ein Verfer-Tiger,
von Bildern und Geschichten,
der so ein Spiel erfinden kann,
von dem wir hier berichten.
Man braucht zu dieser Tigerjagd
kein Netz und kein Gewehr,
und wer ein bißchen überlegt,
der findet noch viel mehr.
Bruno Horst Bull

Wen du brauchst (... nicht nur am Vatertag)
Einen zum Küssen und Augenzubinden,
einen zum Lustige-Streiche-Erfinden.
Einen zum Regenbogen-suchen-Gehn
und einen zum Fest-auf-dem-Boden-Stehn.
Einen zum Brüllen, zum Leisesein einen,
einen zum Lachen und einen zum Weinen.
Auf jeden Fall einen, der dich mag,
heute und morgen und jeden Tag.
Regina Schwarz

Sieben kecke Schnirkelschnecken
Sieben kecke Schnirkelschnecken
saßen einst auf einem Stecken,
machten dort auf ihrem Sitze
kecke Schnirkelschneckenwitze.
Lachten alle so:
Ho, ho, ho, ho, ho!
Doch vor lauter Ho-ho-Lachen,
Schnirkelschneckenwitze-Machen,
fielen sie von ihrem Stecken:
alle sieben Schnirkelschnecken.
Liegen alle da.
Ha, ha, ha, ha, ha!
Josef Guggenmos
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Der verdrehte Schmetterling
Ein Metterschling
mit flauen Blügeln
log durch die Fluft.
Er war einem Computer entnommen,
dem war was durcheinander gekommen,
irgendein Drähtchen,
irgenein Rädchen.
Und als man es merkte,
da war's schon zu spätchen,
da war der Metterschling
schon feit wort,
wanz geit.
Mit lut er teid.
Mira Lobe

Dunkel war's
Dunkel war's, der Mond schien helle,
Schnee lag auf der grünen Flur,
als ein Auto blitzeschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigsam ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossener Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Auf einer roten Bank,
die blau angestrichen war,
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.
Neben ihm 'ne alte Schrulle,
die kaum erst sechzehn war.
Diese aß 'ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.
Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.
Eine Kuh, die saß im Schwalbennest
mit sieben jungen Ziegen,
die feierten ihr Jubelfest
und fingen an zu fliegen.
Der Esel zog Pantoffeln an,
ist übers Haus geflogen,
und wenn das nicht die Wahrheit ist,
so ist es doch gelogen.

Du bunter Schmäterling
Nun flig du bunter Schmäterling,
zeig deine Farbenbracht,
und gib auf dich gut acht!
Von der Puppe bis zum Falter,
bist du regungslos,
komm steig auf und flige los.
du bunter Schmäterling
Leonie Ranly, 7 Jahre, 2000

Der Frühling
Siehst du die bunten Schmetterlinge?
Wie sie durch die Lüfte schweben,
den Frühlingsdüften entgegen?
Hörst du die schönen Glocken klingen?
Und wie die Biene die Eule anfleht?
Siehst du den schönen Osterhasen?
Mit der roten Nase?
Siehst du die Frühlingsmaus?
Wohnt sie in diesem Frühlinshaus?
Isabell (10), gefunden bei Blinde Kuh 

Im grünen Wald im Blätterhaus
Im grünen Wald im Blätterhaus,
da sieht's so osterlustig aus.
Frau Hase kocht viel Eierlein,
für alle Kinder groß und klein.
Mit Pinsel und mit Farbe dann,
malt sie der Maler Hase an,
rot, gelb und blau so wunderschön,
wie wir sie nur an Ostern sehn.
Und hat er sie recht schön gemacht,
freut sich der Maler Has und lacht,
sodann die Rösslein eingespannt,
wir fahren durch das ganze Land.
Und wo nur brave Kinder sind,
da steiget er herab geschwind,
versteckt in grüner Frühlingsau,
die Eier rot und gelb und blau.
Unbekannt

Ostereier
"Tief im Walde unterm Tännchen
wohnt das Osterhasenmännchen,
niedlich sieht sein kleines Haus
in dem grünen Buschwerk aus.
Heute sitzt es auf der Bank,
denn die Sonne scheint so blank.
Warm ein Frühlingslüftchen zieht,
und der Starmatz pfeift sein Lied.
Na was kommt denn dort hervor?
Denkt der Has' und spitzt das Ohr.
Mit dem Korbe voller Eier
naht das Huhn von Nachbar Meier.
"Höre Häschen", spricht das Huhn,
"jetzt gibt's viel für dich zu tun,
male bunt die Eier hier,
Ostern steht schon vor der Tür".
Hurtig packt im Hasenhaus
Nachbar's Huhn die Eier aus.
Knickst dann tief: "Ich muß jetzt gehn,
lebe wohl, auf Wiedersehn!"
Osterhäschen kratzt das Köpfchen,
guckt in seine Farbentöpfchen,
aber ach, leer sind sie - leer!
Nirgends hat er Farbe mehr.
"Ei, da muß ich aber laufen.
Muß mir neue Farbe kaufen."
Hasengeld kommt in den Sack
und das Ränzlein huckepack.
Wie der Mond vom Himmel lacht,
hat sich Häschen aufgemacht,
hoppelt mit vergnügtem Sinn
zu dem Wurzelzwerglein hin.
Doch das liegt im Bett und schreit:
"Bin gefallen, gerade heut!.
hol mir doch für meine Beule,
einen Balsam bei der Eule."
Häschen rennt nur was es kann,
klopft am Haus der Eule an.
Brummend schaut sie aus dem Loch,
"Sag, was willst so spät du noch?"
"Gib mir für den armen Zwerg
Balsam und auch Latwerg."
Eule spricht: "Erst hol mir Licht,
ohne Feuer geht das nicht."
Weiter rennt der arme Hase,
zu dem Glühwurm in dem Grase.
"Lieber Glühwurm, gib mir Licht,
sonst krieg ich den Balsam nicht."
Und der Glühwurm hat's getan,
macht der Eule Feuer an.
Balsam kocht die alte Eule
für des Zwergleins große Beule.
Wurzelzwerglein dankt gar sehr,
gibt die schönsten Farben her.
Unser Häslein pinselt munter
Alle Eier bunt und bunter.
In der warmen Osternacht,
hat es fertig sie gebracht.
Mit dem bunten Eierhaufen
sieht man es zum Grase laufen.
In das grüne Gartengras
legt die Eier unser Has',
zwischen Krokus und Ranunkeln,
sieht man sie gar lustig funkeln.
Doch was kommt dort um das Eck?
Armes Häslein, welch ein Schreck!
Karo bellt, so laut er kann,
unser Osterhäschen an.
Dieses springt in schnellem Lauf,
zu dem Haus, die Tür ist auf.
Schnell hinein, nun ist's geborgen.
Denkt: hier bleibe ich bis morgen.
Doch im großen dunklen Haus,
kennt das Häschen sich nicht aus.
Uns're Mieze faucht es an,
Häschen springt die Trepp' hinan.
Vor der Türe setzt's sich auf,
drückt ganz sacht die Türe auf.
In dem hellen Mondenschein
tritt es in das Zimmer ein.
Drin im Bettchen schlafen süß:
Gottfried, Ursel, Annelies,
auf dem Stühlchen, oh wie nett,
liegen sauber und adrett
ihre Kleidchen, schön geschichtet,
die Pantöffelchen gerichtet.
Ei, das macht dem Has Vergnügen
gleich läßt er drei Eier liegen.
Früh die Kinder sind erwacht,
Häslein hat sich fortgemacht,
wie sie jubeln, wie sie schrei'n:
"Häslein kam zu uns herein."
Als die Osterglocken klingen,
sieht man sie im Garten springen
und das Häschen ruht zu Haus
von der schweren Arbeit aus.
Magdalena Wannske

Der Frühling kommt bald
Herr Winter,
geh hinter,
der Frühling kommt bald!
Das Eis ist geschwommen,
die Blümlein sind kommen,
und grün wird der Wald.
Herr Winter,
geh hinter,
dein Reich ist vorbei.
Die Vögelein alle,
mit jubelndem Schalle,
verkünden den Mai.
Christian Morgenstern

Frühling
Eines Morgens ist der Frühling da.
Die Mutter sagt, sie riecht ihn in der Luft.
Pit sieht den Frühling.
An den Sträuchern im Garten
sind hellgrüne Tupfen.
Anja hört den Frühling.
Neben ihr, auf dem Dach,
singen die Vögel.
Unten vor dem Haus
steigt Vater in sein Auto.
Er fühlt den Frühling.
Die Sonne scheint warm
auf sein Gesicht.
Aber schmecken
kann man den Frühling noch nicht.
Bis die Erdbeeren reif sind,
dauert es noch lange.
Christine Nöstlinger

Die Heil'gen drei Könige
Die heilgen drei König' mit ihrem Stern,
Sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern.
Die heilgen drei König', sie kommen allhier,
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
Und wenn zu dreien der vierte wär,
So wär ein heilger drei König mehr.
Ich erster bin der weiß und auch der schön,
Bei Tage solltet ihr erst mich sehn!
Doch ach, mit allen Spezerein
Werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfrein.
Ich aber bin der braun und bin der lang,
Bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerein,
Da werd ich überall willkommen sein.
Ich endlich bin der schwarz und bin der klein,
Und mag euch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern, ich trinke gern,
Ich esse, trinke und bedanke mich gern.
Die heilgen drei König' sind wohlgesinnt,
Sie suchen die Mutter und das Kind;
Der Joseph fromm sitzt auch dabei,
Der Ochs und Esel liegen auf der Streu.
Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold;
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.
Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,
Aber keine Ochsen und Esel schaun,
So sind wir nicht am rechten Ort
Und ziehen unseres Weges weiter fort.
Heinrich Heine

Epiphanias-Fest
Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland,
sie frugen in jedem Städtchen:
"Wo geht der Weg nach Bethlehem,
ihr lieben Buben und Mädchen?"
Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
die Könige zogen weiter,
sie folgten einem goldenen Stern,
der leuchtete lieblich und heiter.
Der Stern bleibt stehn über Josefs Haus,
da sind sie hineingegangen;
das Öchslein brüllt, das Kindlein schrie,
die heil'gen Drei Könige sangen.
Johann Wolfgang Goethe
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Rummelpott-Laufen zu Silvester
Was ist ein Rummelpott?
Heutzutage haben die Kinder meist nur noch Plastiktüten und keinen Rummelpott mehr.
Ein Rummelpott ist eine Dose mit einer Schweinsblase drüber, die ein Loch in der Mitte hat.
In dieser Öffnung steckt ein Stöckchen, welches beim Drehen ein rummelndes Geräusch erzeugt.
Texte, die dazugehören:
Olsch mit der Lüch kann Licht nie fin',
fallt mit de Nas in Kellerlock rin,
Kellerlock is to deep,
fallt mit de Nas in Seep,
Seep isto düer,
falllt mit de Nas in't Füer,
Füer is to hit,
fallt mit de Nas in't Kit,
Kit is to hart,
fallt mit de Nas in't Fatt,
dat Fatt broke entwei,
dor lech de Hohn een Ei!
Oder:
Old Johr, Nej Johr,
Moder hätt de Förden gor.
Sind de kleen,
giv uns zwee för een.
Sind se grod,
schmeck se mol so god.
Erinnerungen dazu von Britta:
Beim Rummelpott verkleideten wir uns, liefen durchs Dorf, von Haus zu Haus und sangen freche Lieder. Dafür gab es Süßes für die Kinder und nen "Kurzen" für die Erwachsenen oder Jugendlichen (die den Rest von Sylvester dann meist nicht mehr erlebten *grins*).
Gab jemand nix, dann wurde kräftig unsd lange Radau gemacht, so dass das ganze Dorf wusste, wo der Geizkragen wohnte. Bei uns gibts hingegen keine Sternsinger im Januar.

Traumbescherung
Ich hab mir was ausgedacht,
dass mir aber keiner lacht!
Dieses Jahr zur Weihnachtszeit,
da beschenk ich weit und breit,
alle Leut - ihr glaubt es kaum?
Jeder kriegt von mir nen Traum:
Raben, die Trompete blasen,
bring ich mit, karierte Hasen,
eine Fuhre Gummibärchen,
dreizehn Flaschen voller Märchen,
Bäume, die spazieren gehen,
Stunden, die ganz stillestehen,
Hunde, die sich reiten lassen,
frisch gebrat'nes Eis in Massen,
schnelle Autos für die Kinder,
einen Zauber-Wunsch-Zylinder,
Extra-Väter, nur zum Spielen,
Bälle, die von selber zielen,
eine Müllkippe zu Hause
und ne Limonadenbrause.
Betten, die im Dunkeln fliegen,
Masern, die wir niemals kriegen,
Sommerschnee auf Rodelwiesen,
aufblasbare bunte Riesen,
Feuerchen, die knisternd brennen,
Mütter, die nicht schimpfen können,
Badeseen an den Ecken,
Lutschbonbons so lang wie Stecken,
Schulen, nur zum Lachenlernen,
Flugzeugtaxis zu den Sternen,
Sofas, um draufrumzuspringen,
Lieder, die sich selber singen,
Pulver zum Unsichtbarmachen,
ein paar kleine, zahme Drachen,
Katzen, die auf Rollschuh'n rennen,
Morgenstunden zum Verpennen,
Wände, um sie anzumalen,
Nüsse ohne harte Schalen,
einen Löwen zum Liebkosen
und statt Ärger rote Rosen.
Hier ist die Bescherung aus.
Sucht für euch das Beste raus!
Gina Ruck-Pauquèt

Wünschelbaum
Schenk mir einen kleinen Hasen
und drei grüne Zaubernasen,
einen weißen Luftballon,
einen Eisenbahnwaggon,
schenk mir eine Maus aus Zucker
oder einen Sternespucker.
Schenk mir einen Malerpinsel,
einen Bach mit einer Insel,
ein Geheimnis zum Bewahren,
eine Puppe mit richtigen Haaren,
eine Trommel, die niemanden stört,
und ein Indianepferd.
Schenk mir einen Zebrastreifen,
einen alten Autoreifen,
einen Schirm - am besten rot -,
ein Ruder und ein Ruderboot,
schenke mir für alle Leute
und zum Weiterschenken Freude.
Wünschelbaum,
sei kein Traum!
Georg Friedl

Vom Christkind
Denkt Euch,
ich habe das Christkind gesehn!
Es kam aus dem Walde,
das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Händchen taten ihm weh;
denn es trug einen Sack,
der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihr Naseweis, ihr Schelmenpack?
meint ihr, er wäre offen, der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss was schönes drin;
denn es roch so nach Äpfeln und Nüssen.
Anna Ritter

Tannengeflüster
Wenn die ersten Fröste knistern
in dem Wald bei Bayrisch-Moos,
geht ein wispern und ein flüstern
in den Tannenbäumen los,
ein Gekicher und Gesumm,
ringsherum
Eine Tanne lernt Gedichte,
eine Lerche hört ihr zu.
Eine dicke alte Fichte
sagt verdrieslich: gebt doch Ruh!
Kerzenlich und Weihnachtszeit
sind noch weit!
Vierundzwanzig lange Tage
wird gekräuselt und gestutzt
und das Wäldchen ohne Frage
wunderhübsch herausgeputzt.
Wer noch fragt: Wieso? Warum? -
der ist dumm.
Was das Flüstern hier bedeutet
weiß man selbst im Spatzennest:
Jeder Tannenbaum bereitet
sich nun vor aufs Weihnachtsfest.
Denn ein Tannenbaum zu sein:
das ist fein
James Krüss

Der Bratapfel
inder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wie's knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel,
der Kipfel, der Kapfel,
der gelbrote Apfel.
Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel.
Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.
(Unbekannt)

Regen
Regenplage - graue Tage,
Regengüsse - nasse Füße,
Regentropfen - hört man klopfen,
an die Fenster - wie Gespenster.
Regenschnecken - in den Hecken,
Regenwinde - in der Linde,
Regenwasser - nass und nasser,
werden Wälder - Haus und Felder.
Regenbäume - träumen Träume,
Regenlieder - klingen wieder,
Regenfrauen - dreh'n die Leier,
ringsum wehen - Regenschleier.
Regentänze - Katzenschwänze,
Regenwolken - sind gemolken,
Regentonne - kommt die Sonne?
Nein, von wegen! - Dauerregen!
Gina Ruck-Pauquèt

Abzählreime
Ich und du,
Müllers Kuh -
Müllers Esel,
der bist du!
*****
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7
eine alte Frau kocht Rüben,
eine alte Frau kocht Speck -
und du bist weg!
*****
Eine kleine Dickmadam
Fuhr einst mit der Eisenbahn.
Eisenbahn die krachte,
Dickmadam die lachte.
1, 2, 3,
du bist frei!
*****
1, 2, 3,
du bist frei,
4, 5, 6,
bist ´ne Hex,
7, 8, 9,
du mußt´s sein!
*****
Ene mene mu,
raus bist du!
*****
Es war einmal ein Männchen,
das kroch ins Kaffeekännchen.
Es kroch dann wieder raus -
du bist aus!
*****
Es sitzt ein Bauer auf dem Dach.
Die Enten schwimmen auf dem Bach.
Er zählt sie alle
1, 2, 3, -
du bist frei!
*****
Ene bene Rätsel
Wer bäckt Brezel?
Wer backt Kuchen ?
du musst suchen!
*****
Ritz und Ratz
Maus und Katz,
Katz und Maus -
Du bist raus.
*****
Ene, mene, miste,
es rappelt in der Kiste.
Ene, mene, meck,
und du bist weg.

Ich leg dir in die Schultüte
Ich leg dir in die Schultüte ...
... einige Süßigkeiten,
weil das Leben auch mal bittere Stunden kennt
... Malfarben
weil du die bunte Fülle der Welt erfahren sollst.
... einen kleinen Teddy,
weil du gute Freunde finden wirst
... eine Lupe,
damit du die kleinen Dinge des Lebens sehen und achten lernst
... einen Radiergummi,
denk daran, du kannst immer wieder neu anfangen.
... eine Flöte,
weil du den Schatz eines Liedes entdecken sollst
... einen kleinen Stein vom Urlaub,
weil du dich an alles Schöne gerne erinnern sollst.
... ein Kindergebetbuch,
weil du immer zu Gott kommen darfst,
der dich behüten möge auf all deinen Wegen.

Frau Pumpel geht auf Reisen
Frau Pumpel, die auf Reisen geht,
lässt ihren Koffer, wo er steht,
und zieht die Sachen einfach an.
Als erstes kommt die Wäsche dran.
Zwölf Strümpfe legt sie übers Bein
Und wurstelt sich vergnügt hinein.
Dann steigt sie in den Schlafanzug.
Ein einziger ist nicht genug;
das lila Nachthemd muss noch her.
Sie rundet sich, der Schrank wird leer.
Wo sind die Westen, die sie braucht?
Frau Pumpel fährt hinein und taucht
in Hosen aus geripptem Cord
und die Bekleidung für den Sport.
Durch Halsausschnitte schießt ihr Kopf,
und von der Bluse springt der Knopf.
Durch Ärmellängen stößt ihr Arm.
Frau Pumpel ächzt, es wird ihr warm.
In lauter Hüllen eingezwängt,
fühlt sich Frau Pumpel arg bedrängt.
Es geht mit ihrem Kleidungsstück
Nicht vorwärts mehr und nicht zurück.
Auf einmal reißt der Stoff entzwei.
Die Pumpelfrau ist wieder frei,
und aufgeplustert wie ein Bett
sticht sie putzmunter ins Jackett.
Der Atem wird ihr plötzlich knapp.
Die Arme stehen seitlich ab,
und wie sie in den Mantel schlüpft,
sieht's aus, als ob ein Nilpferd hüpft,
und hört sich an, als ob es schnaubt.
Drei Hüte stülpt sie auf ihr Haupt
Und stopft den Fuß ins Stiefelrohr.
Da dringt ihr ein Geräusch ins Ohr:
Die fünfte Hose ist gekracht!
Das kleine Fritzchen guckt und lacht.
Rosemarie Neie
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Wenn die Mäuse schlafen gehn...
Welch ein Piepsen, Schrein und Jammern
gibt es in den Speisekammern,
wenn's vom Kirchturm schlägt halb zehn
und die Mäuse schlafen gehn.
Ach, die Mäusekinder wollen
gerne naschen noch und tollen,
aber die Frau Mutter Maus
spricht: "Für heute ist es aus!
Fipschen, laß die Milch in Ruh!
Knabbel, sperr das Mäulchen zu.
Pitti, laß den Zipfel Wurst
nun in Ruh, sonst kriegst du Durst!
Und ihr andern: fort vom fetten
Sahnetopf und in die Betten!
Hört ihr nicht? Sonst kommt ihr alle
morgen in die Mausefalle."
Welch ein Piepsen, Schrein und Jammern
gibt es in den Speisekammern,
wenn die Mäuse - statt zu tollen -
um halb zehn ins Bettchen sollen!
Doch von alledem Gezeter
ist ein viertel Stündchen später
bei den kleinen Mäusegören
nicht ein Piepser mehr zu hören...
Eva Rechlin

Das Liebesbrief-Ei
Ein Huhn verspürte große Lust
unter den Federn in der Brust,
aus Liebe dem Freund, einem Hahn, zu schreiben,
er solle nicht länger in Düsseldorf bleiben.
Er solle doch lieber hier - zu ihr eilen
und mit ihr die einsame Stange teilen,
auf der sie schlief.
Das stand in dem Brief.
Wir müssen noch sagen: Es fehlte ihr
an gar nichts. Außer an Briefpapier.
Da schrieb sie ganz einfach und deutlich mit Blei
den Liebesbrief auf ein Hühnerei.
Jetzt noch mit einer Marke bekleben
und dann auf dem Postamt abgegeben.
Da knallte der Postmann den Stempel aufs Ei.
Da war sie vorbei.
Die Liebelei.
Janosch

Zum Muttertag
ich mag dich haargenau
ich mag dich gelb und grau
ich mag dich grün und blau
ich mag dich pink
ich mag dich ponk
ich mag dich bunt, kariert,
gestreift, liniert, gescheckt,
Du bist perfekt!

Rote Tomaten
Rote Tomaten
und rote Radieschen,
rote Schuhe
für mich und Lieschen,
rote Spangen in meinem Haar...
Rot finde ich
einfach wunderbar. |
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und gelbe Zitronen,
gelbe Kerne
in Honigmelonen,
gelbe Bänder
in meinem Haar...
Gelb finde ich
einfach wunderbar. |
Grüne Gurken
und grüne Bäume,
grüne Wiesen
und grüne Träume,
grüne Blätter in meinem Haar...
Grün finde ich
einfach wunderbar. |
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Blaue Trauben
und blaues Papier,
blauer Himmel
über mir,
blaue Vergißmeinnicht
in meinem Haar...
Blau finde ich
einfach wunderbar. |
Goldene Ringe
und goldene Worte,
goldene Zahlen
auf einer Torte,
goldene Sonne
in meinem Haar...
Gold finde ich
einfach wunderbar. |
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Ute Andresen

Verblühter Löwenzahn
Wunderbar
stand er da im Silberhaar.
Aber eine Dame, Annette war ihr Name,
machte die Backen dick,
machte ihre Lippen spitz,
blies einmal, blies mit Macht,
blies ihm fort die ganze Pracht.
Und er blieb am Platze
zurück mit einer Glatze.
Josef Guggenmos

Etwas zum Vorlesen für kleinere Kinder (oder Selberlesen)...
von Brigitte Peter
Katziges
Ritzeratze, Katzentatze
unsere Katz heißt Kritzekratze.
Kritzekratze heißt die Mieze,
und ihr Kind heißt Kratzekritze.
Kratzekritzes Vater
heißt Kater.
Alle drei schnurren sie,
murren sie,
fauchen sie,
brauchen sie
ihre Tatzen
zum Kratzen;
wie Katzen eben sind.
Doch bei dem Katzenkind,
der winzigkleinen Kratzekritze,
ist jede Kratzekrallenspitze
besonders spitzig,
besonders ritzig.
Wer schärft sie ihr so fein?
Die Mietzekatze Kritzekratze?
Der Katzenvater Kater?
Nein!
Das macht die kleine Katzenmieze,
die Kratzekrallen-Kratzekritze,
allein.

Der Stern, der vom Himmel viel wollte
Es war einmal ein Stern, der sich fühlte, als würde er von Tag zu Tag kleiner werden. Er ging zum Himmel und forderte: "Mach mich groß und glänzend." Der Himmel erfüllte dem Stern seine Wünsche. Dann ging der Stern zur Sonne und forderte :"Ich will dich heiraten." Die Sonne lachte :"Dann musst du aber runder werden". Der Stern wollte aber seine Ecken behalten. Sie machten einen Kompromiss. Der Stern wurde sichelförmig. Nur für ein paar Tage wurde er rund. Aus dem Stern wurde der Mond. Der Mond ging zum Himmel und fragte :"Darf ich der Vater der Sterne werden?" Der Himmel antwortete: "Natürlich" und trug den Mond hinauf. Aber weil der Mond jetzt Vater war, wollte ihn die Sonne nicht mehr heiraten. Immer wieder verschwindet der Mond und fragt die Sonne, ob sie ihn nicht doch heiraten wolle in der Hoffnung, dass sie eines Tages will.
selbstverfasst von Leonie Ranly (8 Jahre)
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